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(Wiederholung update SPEZIAL vom Mittwoch, den 20.01.2010, 15:26 MEZ)
FRANKFURT – Der Technische Überwachungsverein (TÜV) hat mit seiner TÜV-geprüften Finanzberatung eine schwere Schlappe hingenommen und zugleich die derzeitige Praxislage im Zertifizierungsbereich von Finanzdienstleistungen zu Tage gefördert. Von einem TÜV-Siegel für die geprüfte Beratungs- oder Servicequalität kann nicht auf eine tatsächlich in der Praxis erfolgte gute Finanzberatung geschlossen werden. Zudem führt die Verwendung des Namens „Finanz-TÜV“ Anleger und Versicherungskunden in die Irre und schadet möglicherweise gar dem Finanzvertrieb. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Finanzmathematiker und Buchautor Werner Siepe.
Der Autor bemängelt in der Studie die unzureichenden Prüfungen der Beratungs- und Servicequalität sowie die Verlässlichkeit der Zertifikate von TÜV Süd, TÜV Rheinland, TÜV Nord und TÜV Saarland. „Beim TÜV Nord war die Unzuverlässigkeit am auffälligsten“, so das Urteil von Siepe. Der TÜV beschränkt sich lediglich auf das Vorhandensein von entsprechenden Beratungssystemen, diese unterliegen jedoch nicht der inhaltlichen Prüfung. Auch die fachliche Umsetzung oder die Konformität mit gesetzlichen Normierungen unterliegen nicht dem TÜV-Zertifikat, kritisiert die Studie.
Oft überwiegen TÜV-Siegel für fachlich nicht versierte oder höchst unseriöse Vertriebe und Vermittler. Dazu zählen beispielsweise Allfinanzvertriebe wie capital art, Spezialvertriebe für Investmentfonds wie Ascent oder für private Krankenversicherungen wie die mittlerweile insolvente MEG. Im Falle der MEG blieb dem TÜV Nord wohl der eklatante Widerspruch zwischen überdurchschnittlich hohen Provisionen und hoher Kundenzufriedenheit verborgen, so die Kritik des Autors. „Bei der Kundenbefragung sind Manipulationen Tür und Tor geöffnet“, schreibt Siepe in der Studie. Zudem seien die Prüfungsmethoden "Kundenzufriedenheit" und "Testberatung durch Mystery Analysen" nicht ISO-zertifiziert.
Bereits im Dezember letzten Jahres hat portfolio international den Stein ins Rollen gebracht und die Verzahnung der Softwarefirma Suretec, TÜV Nord, KuBI sowie Versicherungsmagazin angeprangert (siehe frühere Meldung). "Das Beispiel Suretec macht deutlich, dass es eines erhöhten Regelungsbedarfs bei der Softwareentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich bedarf", fordert Siepe.
Dass Prüfsiegel dem Finanzvertrieb auch erheblich schaden können, zeigt unterdessen das Beispiel der Haftungsrisiken. Der TÜV schließt in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine Haftung für fehlerhafte Prüfungen grundsätzlich aus. Zwar werde diese Regelung unter Juristen kontrovers diskutiert, dennoch "rate ich insbesondere freien Finanzmaklern, dass sie sich in ihrer Beratung auf keinen Fall auf Prüfsiegel berufen". Dies rät Hans-Hermann Lüschen, Geschäftsführer der VERS Versicherungsberater GmbH und einer von drei Auftraggebern der Studie.
Während im Schadenfall hinter Bank- und Versicherungsberatern das jeweilige Institut stehe, hätten Makler in der Regel keinen ausreichenden Schutz vor Gericht. "Viele Makler und Vermittler wissen oft gar nicht, wie und was überhaupt zertifiziert wurde", sagte Lüschen im Gespräch mit portfolio international.
Die weiteren Auftraggeber der Studie ist die Versicherungs- und Rentenberater AG sowie die Technische Überwachungsgemeinschaft TÜg GmbH.
portfolio international update 20.01.2010/gcu
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